Die Eigenbewegung von Proxima Centauri
Geschrieben von Hans-GŁnter Diederich   
31.05.2007

Die Eigenbewegung von sich schnell bewegenden Sternen zu beobachten, also nicht nur den Stern, sondern dass er sich bewegt, ist eine interessante Grundaufgabe, sowohl für den visuell als auch den mittels CCD beobachtenden Sternfreund. Dazu benötigt man zumindest zwei Beobachtungen, die zu dokumentieren sind. Dann hat man die Chance, im Vergleich der Koordinaten in der Tabelle der Koordinaten, auf der eigenen Zeichnung oder in der eigenen Aufnahme einen Unterschied festzustellen. Was man mit einem solchen "Bewegungsstern" alles anstellen kann, das wird hier am Beispiel des uns zweitnächsten Sternes, Proxima Centauri, gezeigt. Eine Anregung für alle, die im Astro-Urlaub nach Namibia reisen.

Das Auffinden von Proxima Centauri ist gar nicht so einfach. Es lohnt sich wirklich, bereits zuhause eine (Foto-) Karte auszudrucken und mitzunehmen. Der Abstand von Proxima zu den Sternen Alpha Centauri A und B ist einerseits so sehr groß, Hilfe können wir von diesem sehr hellen Doppelstern nicht erwarten. Andererseits herrscht hier ein solches Sternengewimmel, dass wir mit einer guten Vorbereitung viel Zeit sparen können. Astronomie soll ja Freude bereiten.

Wer zum ersten Mal nach Namibia fährt und dort mit längeren Brennweiten aufnimmt, sollte auch alle seine Kleinbildobjektive einpacken. Sich seinen Wunschobjekten schrittweise zu nähern, gerade zu in sie hinein zu zoomen, kann sehr reizvoll sein. Aus diesem Grund sind hierunter auch zwei Fotokarten nebeneinander gestellt:

Proxima Centauri: Einmal mit einem 300 Millimeter-Objektiv fotografiert und einmal mit 3910 mm Brennweite des C14
Proxima Centauri: Einmal mit einem 300 Millimeter-Objektiv fotografiert und einmal mit 3910 mm Brennweite des C14

Eine kleine Merkwürdigkeit

Bei meinem Versuch, Proxima aufzusuchen, hatte ich ein Problem: das Kartenbild, obwohl gemessen am sichtbaren Gewimmel ziemlich ausgedünnt, ließ zwei oder gar drei helle Sterne erwarten. Ließ ich den Eintrag V645 Centauri außer acht, das ist die Veränderlichenbezeichnung für Proxima, und manche der Positionen aus dem Veränderlichenkatalog sind etwas ungenau, so erwartete ich doch so etwas wie einen visuellen Doppelstern aus annähernd gleich hellen Sternen. Und dieses Sternenpaar wollte sich partout nicht finden lassen. Bis ich merkte, das ist ja ein und derselbe Stern. Es machte "Klick": Ein sehr naher Stern, Eigenbewegung, da könnten die beiden Positionen von Proxima zu unterschiedlichen Zeiten Eingang gefunden haben. Und auch die Position von Proxima als Veränderlicher könnte so zu erklären sein. Denn alle drei Positionen liegen auf einer Geraden !

Das musste jetzt untersucht werden! Der Simbad-Datenbank entnahm ich folgende Werte:

Eigenbewegung in mas/yr (Millibogensekunden pro Jahr) -3775.40, 769.33"

Mittels arctan ergibt sich daraus als Winkel 11,5° (von links (E) nach rechts (W) leicht ansteigend). Nun las ich die Pixelkoordinaten der beiden äußeren Kartensterne ab und berechnete daraus ebenfalls mit arctan den Winkel: Es ergab sich ein Wert von 12°! Damit war alles klar: Eigenbewegung. Das Planetariumsprogramm Guide 7 zeigt basierend auf den verwendeten Datenbanken denselben Stern zu drei verschiedenen Zeiten und folglich an drei verschiedenen Positionen. Aus 3 mach 1! Der Himmel war wieder in Ordnung, und Proxima ließ sich dann auch ziemlich schnell finden. Nahe Sterne mit hoher Eigenbewegung ist schon ein reizvolles Thema ...

Und Proxima rast über den Himmel ...

Zu wissen, dass Pünktchen dort am Himmerl, das ist ein HMPS ("high proper motion star"), der rast nur so über den Himmel, ist eine Sache, egal ob mit oder ohne CCD-Aufnahme. Meines Erachtens sollte aber alles, was sich am Himmel bewegt oder verändert, auch in dieser Bewegung oder Veränderung präsentiert werden, nicht ausschließlich nur in einer Tabelle oder auf Millimeterpapier. Die Idee war also, ein Filmchen von Proxima zu drehen, und sie in einer Animationüber den Himmel rasen zu lassen.

Nun war ich aber bisher nur ein einziges Mal in Namibia und wollte nicht warten, bis ich in mehreren aufeinander folgenden Jahren immer wieder diesem Stern würde aufgenommen haben. Und hierfür gibt es eine Lösung, die heißt "DSS Plate Finder". Den gibt es im Internet. Für das Feld zeigte er sechs zu verschiedenen Zeiten aufgenommene Platten, mit meiner Aufnahme waren es dann sieben Stück:

SERC-J Survey 1976.193
SERC-I Survey (?) 1981.164
SERC-I Survey (?) 1982.301
SERC-V Equatorial Extension Second Epoch Southern 1987.393
(UK Schmidt) 1991.540
(UK Schmidt) Second Epoch Southern 1993.540
Eigene Messung  2004.548

 

Aus diesen Platte schnitt ich mir kleine Teilbilder heraus, glich sie in Helligkeit und Kontrast so gut, wie es möglich war, einander an, justierte sie und dann war es soweit, zwar nicht optimal aber man sieht, "es bewegt" sich was:

Die Eigenbewegung von Proxima Centauri zwischen 1976 und 2004
Die Eigenbewegung von Proxima Centauri zwischen 1976 und 2004

Ich wünsche mir, dass diese Hinweise Ihnen nicht nur den Astro-Urlaub in Namibia etwas erleichtern, sondern auch einige Anregungen für die eigene Projektgestaltung und Bildauswertung geben konnten. So etwas lässt sich auch am Nordhimmel erleben und beobachten, allerdings müssen wir hier zuhause auf Proxima verzichten. Und die muss man einfach mal gesehen haben ...

(Die eigenen Aufnahmen entstanden auf der Sternwarte der IAS auf Hakos.)