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Astrofotografie mit DSLR-Kameras PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Werner Roßnagel   
04.12.2005

Farbwiedergabe

Wie sieht es nun mit der wichtigen Hα-Empfindlich­keit aus? Grundsätzlich reicht die Empfindlichkeit der CMOS-Sensoren vom nahen UV bis weit ins Infrarote (Abb.1). Um scharfe und ausgewogene Farbbilder zu er­reichen, ist aber jede DSLR-Kamera mit einem UV/IR-Filter ausgerüstet, der leider bereits auch Ha stark ab­senkt. Eine Standard-DSLR ist daher nur bedingt Ha-tauglich (Abb.2).

Charakteristik des UV/IR-Filters der EOS 350D
Abb. 2: Charakteristik des UV/IR-Filters der EOS 350D

In der Zwischenzeit kursieren Anleitungen, wie der Filter ausgebaut werden kann. Dies ist etwas riskant, aber für einen versierten Bastler durchaus möglich. Er verliert dabei allerdings seinen Garantieanspruch und die Kamera ist für Normalgebrauch nur noch sehr bedingt verwend­bar, da Autofokus und Weißabgleich nicht mehr funktio­nieren und sowohl für normale als auch für Astroaufnah­men ein externes IR-Filter aufgesetzt werden muss.

Die amerikanische Firma Hutech tauscht bei verschie­denen DSLR-Kameras das serienmäßige Filter gegen ein Ha-taugliches der selben Dicke aus, so dass Autofo­kus einwandfrei funktioniert und auch ein Weißabgleich mög­lich ist. In der Zwischenzeit liefert Canon auch eine Spe­zialausführung der 20D, die EOS 20Da für astrono­mische Zwecke mit einem modifizierten Filter. Gleich­zeitig soll der Chip auf Rauscharmut selektiert sein und die Kamera liefert, im Gegensatz zu allen Normal-DSLRs, ein Echt­zeitbild am Display, mit dem die Scharfeinstel­lung am Teleskop vereinfacht wird.

Preise der Hutech-modifizierten Kamera und der 20Da sind ähnlich und liegen in der Gegend von 2000 bis 2300€, immerhin fast das doppelte einer Standard-20D oder das dreifache der sehr ähnlichen 350D. Tests haben ergeben, dass die Hutech-Kamera in Ha deutlich bessere Ergebnisse bringt als die 20Da. Der Hutech-Filter hat ei­nen Durchlass bis fast 700 nm (Abb.3), so dass auch noch die SII-Linien bei 676 nm gut wiedergegeben werden. Dafür sind die Anwendungen bei Normalfotografie etwas beschränkter als bei der 20Da (Weißabgleich).

Charakteristik  des Hutech-Filters 1
Abb. 3 Charakteristik des Hutech-Filters 1

Weitere wichtige Linien sind Hß und OIII. Diese Li­nien werden z.B. beim Diafilm E200 sehr stiefmütterlich behandelt, denn sie fallen quasi in ein Loch zwischen blau- und grünempfindlicher Schicht. E200-Aufnahmen wirken deshalb meistens nur rot und bringen fast keine Farbnuancen. Der CMOS-Chip mit seinen Bayer-Matrix-Filtern bringt in diesem Bereich eine sehr gleichmäßige Wiedergabe und damit deutlich besser strukturierte Auf­nahmen von Emissionsnebeln.